Verfasst von Anke Nagler · Diplom-Mikrobiologin
Die Schleckmatte für den Hund ist das wohl artgerechteste, um Zähne zu putzen. Bei Zahnpflege denkt man zuerst an die Zahnbürste. Dabei hat der Hund selbst das beste Werkzeug: seine Zunge. Dort sitzen etwa 80 % aller Mundbakterien. Die Schleckmatte nutzt ein Prinzip, das in der Humanmedizin längst etabliert ist: Tongue Scraping, das systematische Reinigen der Zunge von bakteriellem Belag. Beim Hund funktioniert diese Peptid-Zahnpflege spielerisch, stressfrei und alltagstauglich.
Warum 80 % der Mundbakterien auf der Zunge sitzen
Die Zunge ist mit unzähligen Papillen besetzt, winzigen Erhebungen, zwischen denen sich Speichel, Futterreste und Bakterien sammeln. Dadurch macht die Zunge etwa 25 bis 35 % der gesamten Mundoberfläche aus. Die Zähne dagegen machen nur etwa 5 bis 8 % der Mundoberfläche aus. Und selbst diese kleine Fläche erreicht die Zahnbürste nur unvollständig. Die hinteren Backenzähne und die Zwischenräume bleiben fast immer unberührt. Auch die Innenseite der Zähne, also die zur Zunge gewandten Flächen, putzt im Alltag praktisch niemand. Währenddessen wird die Zunge mit 80 % der Bakterienlast komplett ignoriert.
Studien beim Menschen zeigen: Auf der Zungenwurzel, also im hinteren Bereich, ist die Dichte besonders hoch. Dort entstehen die flüchtigen Schwefelverbindungen, die wir als Mundgeruch riechen. Die Arbeit von Tangerman und Winkel (2007) im Journal of Clinical Periodontology belegt: 80 bis 90 % des Mundgeruchs sind oralen Ursprungs und entstehen vor allem auf der Zunge und in den Zahnfleischtaschen. Beim Hund ist die Situation vergleichbar. Anatomie der Zunge und bakterielles Milieu folgen ähnlichen Prinzipien. Was der konkrete Geruch des Hundeatems über die Ursache verrät, zeigt der Artikel zum Mundgeruch beim Hund.
Tongue Scraping: Die Wissenschaft hinter dem Schlecken
In der Humanmedizin ist das Reinigen der Zunge mit einem Schaber ein etabliertes Konzept. Beim Hund geht es einfacher. Beim Schlecken reinigt der Hund seine Zunge ganz natürlich. Über die Noppen der Schleckmatte geschoben, befreit sie sich von Bakterienbelag. Und mit dem Dreh in den Mund ist die Zahnpflege zugleich perfekt im Mund verteilt. Tongue Scraping ganz ohne Stress. Der Hund sieht es als eine Aufgabe, die ihm ohnehin sehr viel Freude macht.
Die Cochrane-Review von Kumbargere Nagraj und Kollegen (2019) zur Wirksamkeit von Halitosis-Interventionen bestätigt: Mechanisches Reinigen der Zunge reduziert flüchtige Schwefelverbindungen und ist eine sinnvolle Ergänzung zur Mundhygiene.
Die Zunge als natürlicher Applikator
Sie ist auch ein perfekter Verteiler und erreicht Stellen, die keine Zahnbürste je berühren kann: die Innenseiten der Backenzähne, die Zwischenräume und den Gaumen. So sind die natürlichen antibakteriellen Peptide im speziellen Milchprotein im ganzen Mundraum verteilt und können dort wirken.
Ein einfacher Vergleich macht das klar: Eine Zahnbürste erreicht vielleicht 60 % der Zahnflächen und kaum die Zunge. Die Zunge selbst erreicht nahezu 100 % aller Oberflächen im Mund. Und mit der Schleckmatte ist es ganz einfach und entspannt.
Was die Schleckmatte so besonders macht
Auf eine Unterlage mit Noppen, Rillen und Vertiefungen kommt eine Leckerei und darüber die Zahnputzflocken. Der Hund arbeitet alles mit der Zunge heraus. Das dauert deutlich länger als das schnelle Aufschlecken aus dem Napf. Und es passieren 3 Dinge gleichzeitig:
- Die Zunge wird von Belag befreit. Die Zahnpflege verteilt sich im Mund und
kann wirken. - Schlecken beruhigt und reduziert Stress, weil es mit der Nahrungsaufnahme
und damit mit Sicherheit verbunden ist. Hunde, die geschleckt haben, sind entspannter. Das nutzen Verhaltenstrainer gezielt, etwa bei Trennungsangst
oder Silvester-Stress. - Der Hund ist beschäftigt. Slow Feeding, also das langsame Aufnehmen von Nahrung, ist ernährungsphysiologisch sinnvoll. Es fördert die Verdauung, reduziert das Risiko für Magendrehung bei großen Hunden und verhindert das Schlingen, das bei vielen Hunden zum Problem wird.
Mit einem Schleck: Zähne geputzt, Hund entspannt, gesund gefressen.
Warum die Zahnbürste oft scheitert
Zähne putzen mit der Bürste war bisher das Beste, was Halter ihrem Hund anbieten konnten. Doch wer das versucht hat, weiß wie mühsam es ist. Viele Hunde tolerieren die Bürste nicht. Selbst die, die mitmachen, bekommen nur wenige Zähne geputzt.
Bei kleinen Rassen, bei älteren Hunden oder bei Hunden mit empfindlichem Trigeminusnerv ist die Bürste sogar kontraproduktiv. Sie erzeugt echten Stress. Und das ist der Feind der täglichen Routine. Was nicht täglich stattfindet, hilft auch nicht.
Die Schleckmatte denkt das Problem neu. Statt zu putzen, nutzt sie die Zunge des Hundes als natürlichen Applikator. Schleckmatte mit Leckerei und Zahnputzflocken wird schnell zum geliebten Abendritual.
Die richtige Anwendung: einfach und effektiv
Saubere Zähne bleiben sauber
Die Noppen der Schleckmatte mit etwas Joghurt oder Snackpaste bedecken. Darüber die Zahnputzflocken streuen. So verteilen sie sich gut im Mund und können wirken. 1-mal täglich die Zahnputz-Ration entsprechend der Größe des Hundes. So bleiben saubere Zähne sauber. Bildet sich doch Belag, 2-mal täglich mit Biokokos gegengearbeitet.
Gegen Zahnstein
Intensiver wirken die Zahnputzflocken, wenn sie vorab mit Biokokos zur Zahnputz-Paste gemischt werden. Eine Tüte Zahnputzflocken in ein Schraubglas geben und gleiche Füllmenge warmes Biokokos dazu. Es unterstützt das Verteilen im Mund und zusätzlich mit der antibakteriellen Wirkung seiner Laurinsäure.
Mit Zahnputzkohle
Für ältere Hunde, für Hunde mit Magen-Darm-Themen, Antibiotika oder nach der Wurmkur ist die Zahnputzkohle auf der Schleckmatte besonders sinnvoll. Zuerst sind die Zähne geputzt. Die Zahnputzflocken füllen die Poren der Kohle. Dadurch bindet die Kohle im Mund kaum Vitamine. Erst wenn die Zahnputzflocken verdaut sind, ist die Kohle im Darm wieder frei und bindet dort belastende Stoffe. So profitieren Zähne und Verdauung zugleich. Bei Verstopfung gibt man keine Zahnputzkohle, sondern die Zahnputzflocken.
Die richtige Schleckmatte
Schleckmatten mit engstehenden Noppen erfordern mehr Anstrengung. Modelle mit Saugfuß halten am Boden oder an glatten Flächen und rutschen nicht weg. Qualitätsprodukte bestehen aus lebensmittelechtem, schadstofffreiem Gummi und sind spülmaschinenfest.
Wann verändert sich etwas
Die Wirkung stellt sich in klaren Zeitfenstern ein. Nach 1 bis 2 Wochen täglicher Anwendung ist der Mundgeruch reduziert. Das ist das Zeichen, dass die Bakterien unter Kontrolle sind. Nach 2 bis 3 Wochen geht die Entzündung zurück, das Zahnfleisch wird wieder rosa und glatt. Nach rund 6 Wochen beginnt der Zahnstein porös zu werden, da sich ja weniger Plaque bildet. Jetzt nur noch warten oder mit einem Fingerling unterstützen, damit er stückweise abfällt. Je nach Mineralisierung und Dicke dauert dieser Prozess 2 bis 6 Monate. Auch Parodontitis kann man in dieser Zeit stoppen. Mehr zu den Stadien der Parodontitis und ihren Folgen für Herz und Nieren im Artikel über Zahnfleischbluten beim Hund.
Um diese Effekte zu erreichen, muss man konsequent täglich anwenden. Keine Auszeiten von mehr als 2 Tagen. Bakterien bauen sehr schnell einen neuen Biofilm auf, sobald die Kontrolle fehlt.
Die Schleckmatte als Ruheanker und Trainings-Tool
Neben der Zahnpflege hat die Schleckmatte einen zweiten wichtigen Nutzen. Sie ist ein Ruheanker. Hunde, die regelmäßig schlecken, verbinden die Matte mit Sicherheit und Wohlgefühl. Das lässt sich gezielt einsetzen.
Bei Trennungsangst hilft die Schleckmatte, den Hund beim Weggehen des Halters zu beschäftigen und zu beruhigen. Zu Silvester und beim Feuerwerk gibt sie eine Aufgabe und lenkt von den Geräuschen ab. Beim Tierarzt oder Autofahrt kann sie Stress reduzieren. Bei Welpen unterstützt sie das Training der Impulskontrolle. All das sind Nebeneffekte der Zahnpflege. Sie machen die Schleckmatte zu einem der vielseitigsten Alltags-Werkzeuge, die Hundehalter sich ins Haus holen können.
Fazit: Die Schleckmatte ist artgerechte Zahnpflege
Wer Zahnpflege beim Hund ernst meint, kommt an der Zunge nicht vorbei. Auf der Zunge sitzen 80 % aller Mundbakterien. Dort entsteht der Mundgeruch und auch der Biofilm. Die Schleckmatte macht genau das. Sie nutzt den natürlichen Schleckvorgang des Hundes als biologisches Tongue Scraping. Die Zahnputzflocken werden optimal verteilt und die Zunge wird gereinigt. Die Bakterienlast sinkt. Und der Hund hat dabei Spaß statt Stress.
Das ist der entscheidende Unterschied zu allen anderen Methoden. Was der Hund gerne tut, wird täglich gemacht. Was täglich gemacht wird, wirkt. Was wirkt, schützt Zähne, Zahnfleisch und den gesamten Organismus vor den Folgen unkontrollierter Bakterien.
Mit der Schleckmatte und den Zahnputzflocken ist tägliche Zahnpflege kein Kampf mehr, sondern ein entspanntes Abendritual. Wie häufig parodontale Veränderungen beim Hund sind, zeigen die Daten von Wallis und Holcombe (2020): Rund 80 % aller Hunde über 3 Jahre zeigen parodontale Veränderungen, bei detaillierter Untersuchung unter Narkose sind es noch mehr. Eine tägliche, niederschwellige Routine wie die Schleckmatte setzt genau dort an.
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Häufige Fragen zur Schleckmatte für den Hund
Warum ist die Schleckmatte besser als eine Zahnbürste?
Die Schleckmatte erreicht die Zunge, wo 80 % der Mundbakterien sitzen. Die Zahnbürste erreicht die Zunge nicht. Außerdem arbeitet die Schleckmatte mit dem natürlichen Schleckvorgang des Hundes und ist stressfrei. Die Bürste erzeugt bei vielen Hunden Abwehr und wird dadurch nicht regelmäßig genutzt.
Was bedeutet Tongue Scraping beim Hund?
Tongue Scraping ist das Reinigen der Zunge von bakteriellem Belag. In der Humanmedizin geschieht es mit einem Zungenschaber. Beim Hund geschieht es automatisch beim Schlecken, wenn die lange Zunge über die Schleckmatte fährt.
Wie oft sollte mein Hund die Schleckmatte nutzen?
1 x täglich, idealerweise abends nach dem Futter. Eine tägliche Routine ist wichtiger als eine besonders lange Anwendung. Bei akutem Mundgeruch oder sichtbarem Zahnstein 2 x täglich anwenden.
Welche Schleckmatte passt zu welcher Hundegröße?
Für kleine Hunde eignen sich Matten mit großen Kreuzen, die die kurze Zunge nicht überfordern. Für mittlere und große Hunde sind größere Flächen besser, weil sie länger beschäftigen.
Was gebe ich auf die Schleckmatte?
Etwas Joghurt, Hüttenkäse oder Snackpaste, wenn saubere Zähne sauber bleiben sollen. Zahnputzflocken mit Biokokos mischen, wenn gegen Zahnstein gearbeitet wird. Abwechselnd etwas Geschmack mit 2 TL Futter dazu, so bleibt es interessant.
Kann ich die Schleckmatte auch bei Welpen einsetzen?
Ja. Welpen profitieren besonders, weil die Matte früh positive Gewohnheiten etabliert. Sie ist außerdem ein hervorragendes Trainings Tool für Impulskontrolle und Ruhe.
Wie reinige ich die Schleckmatte?
Nach jeder Anwendung gründlich unter warmem Wasser abspülen. Handreinigung mit Bürste erhöht die Lebensdauer. Qualitätsprodukte aus lebensmittelechtem Gummi sind spülmaschinenfest und hitzebeständig.
Hilft die Schleckmatte auch gegen Mundgeruch?
Ja. Bei täglicher Anwendung ist der Mundgeruch nach 1 bis 2 Wochen weg. Die Schleckmatte reinigt die Zunge mechanisch und verteilt die antibakteriellen Peptide in den Zahnputzflocken im ganzen Mund. Sie stoppen die Vermehrung der Bakterien. Dadurch bildet sich kein Schwefel mehr, den wir als Mundgeruch wahrnehmen.
Kann die Schleckmatte meinem Hund bei Stress helfen?
Ja. Repetitives Schlecken wirkt bei Hunden stressreduzierend, weil es mit Sicherheit und Nahrungsaufnahme verbunden ist. Viele Halter setzen die Matte gezielt bei Trennungsangst, auch zu Silvester oder bei Autofahrten ein.
Wie lange dauert es, bis ich eine Wirkung sehe?
Nach 1 bis 2 Wochen ist der Mundgeruch deutlich reduziert. Nach 2 bis 3 Wochen sind Zahnfleischentzündungen zurückgegangen. Nach rund 6 Wochen beginnt der vorhandene Zahnstein porös zu werden. Das vollständige Lösen dauert je nach Mineralisierung und Dicke 2 bis 6 Monate.
Eignet sich die Schleckmatte besonders für kleine Hunderassen?
Ja, gerade bei kleinen Rassen ist sie ideal, weil sie ohne mechanischen Druck auf den dünnen Zahnschmelz auskommt. Kleine Hunde haben oft einen empfindlicheren Trigeminusnerv und tolerieren die Bürste schlecht. Auch brachycephale Rassen wie Mops, Cavalier King Charles und Französische Bulldogge profitieren unabhängig vom Gewicht. Mehr im Artikel zur Zahnpflege kleiner Hunderassen.
Wissenschaftliche Quellen
Wallis C, Holcombe LJ. A review of the frequency and impact of periodontal disease in dogs. Journal of Small Animal Practice 2020;61(9):529–540. Übersichtsarbeit zu Häufigkeit und Schweregrad parodontaler Erkrankungen beim Hund. Bei detaillierter Untersuchung unter Narkose zeigen 44 bis 100 % aller Hunde parodontale Befunde, was die Notwendigkeit täglicher Plaquekontrolle untermauert. Verfügbar unter: pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32955734
Tangerman A, Winkel EG. Intra- and extra-oral halitosis: finding of a new form of extra-oral blood-borne halitosis caused by dimethyl sulphide. Journal of Clinical Periodontology 2007;34(9):748–755. Gaschromatographische Untersuchung von 58 Halitosis-Patienten mit Nachweis, dass intraorale Halitosis vor allem durch flüchtige Schwefelverbindungen aus Zunge und Zahnfleischtaschen entsteht. Verfügbar unter: pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17716310
Kumbargere Nagraj S, Eachempati P, Uma E, Singh VP, Ismail NM, Varghese E. Interventions for managing halitosis. Cochrane Database of Systematic Reviews 2019;12(12):CD012213. Aktuelle Cochrane-Übersicht zu Halitosis-Interventionen, in die die früheren Cochrane-Reviews zu Tongue Scraping und Mundspüllösungen integriert wurden. Mechanisches Reinigen der Zunge reduziert flüchtige Schwefelverbindungen. Verfügbar unter: pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31825092
Über die Wissenschaftlerin
Anke Nagler
Diplom-Mikrobiologin | Gründerin von QCHEFS
Orale Biofilmforschung | Natürliche Bakterien
Kontrolle bei Hund, Katze und Pferd
Anke Nagler verbindet Mikrobiologie mit eigener Produktentwicklung und Produktion. Ihr Schwerpunkt ist die natürliche Bakterienkontrolle im Mund von Hund, Katze und Pferd.
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